Amy, 15: Unbegründete Panik (extrem ausführlich^^)

Amy, 15: Unbegründete Panik (extrem ausführlich^^)

Nachdem mir hier einige Erfahrungsberichte sehr viel weiter geholfen haben, möchte ich nun meinen eigenen schreiben. Bevor ich anfange möchte ich sagen, dass ihr euch bitte nicht schon vorher verrückt machen sollt. Lest nicht zu viele Berichte (vor allem keine negativen), denn helfen tun die euch ja auch nicht wirklich.

Als ich vor ein paar Monaten von meinem Kieferorthopäden gesagt bekommen habe, dass meine 4 Weisheitszähne, welche alle noch tief im Kiefer waren, herausmüssten, damit die jahrelange Arbeit durch die Zahnspange nicht ruiniert wird, war mir schon ganz schlecht. Ich hasse Zahnärzte und wenn ich nur das Wort „Bohrer“ höre, kriege ich Schweißausbrüche.
Nun, da aber nichts vorbeiführt kam es dann auch relativ bald zu einem Aufklärungsgespräch mit dem Kieferchirurgen, der mir schon mal die wichtigsten Informationen mit auf den Weg gab. Alles Weitere las ich dann hier auf dieser Seite nach, was sehr hilfreich war. Ich entschied mich dafür, alle 4 Zähne auf einmal und unter lokaler Betäubung entfernen zu lassen (ich war ja für die Vollnarkose, meine Mutter aber leider nicht). Irgendwann kam dann der Tag der OP. Ich hatte wirklich panische Angst. Musste mich Tage vorher schon ständig übergeben und bekam Weinkrämpfe. Als mich meine Mutter dann in die Zahnarztpraxis fuhr, war mir richtig schlecht und ich zitterte ohne Ende.

Ich wurde aufgerufen, legte mich auf den Zahnarztstuhl, machte den Mund auf und bekam gleich die erste Betäubungsspritze verpasst. Insgesamt waren es vier Spritzen (für jeden Zahn eine), wobei er mit jeder Spritze auch einige Male herumgestochen hat. Ja, die Spritzen tun weh und sind einfach eklig. Aber es ist wirklich auszuhalten. Also habt bitte keine Angst vor den Spritzen, denn das was danach kommt, ist noch viel schlimmer 😉 Nach wenigen Sekunden bemerkte ich schon ein leichtes Kribbeln in meinem Mund und nach ein paar Minuten war alles taub. Das war wirklich das Schlimmste an allem. Ich konnte nicht mehr schlucken, nicht mehr durch den Mund atmen, meine Wangen fühlten sich an, als würden sie hinunter hängen und ich konnte nicht mehr reden.

Dann fing es auch schon an. Noch schnell Kopfhörer in die Ohren und los geht’s. Als erstes wird das Zahnfleisch „abgeschabt“. Man spürt gar nichts, es hört sich nur etwas eklig an. So, als würde man mit einem Metallstück über einen Stein wetzen. Dann wurde der Kieferknochen aufgebohrt. Das Geräusch war echt laut, die Musik höre ich gar nicht mehr. Aber ich hatte mir es auch schlimmer vorgestellt. Dann wurde der Zahn in ein paar Stücke geteilt. Das „Knacken“ dabei habe ich mir echt schlimmer vorgestellt, es war aber nur ganz leise. Dann zog er an dem Zahn, wobei man einen leichten Druck verspürt. Der erste Zahn war dann auch schon weg. Noch schnell die Wunde vernäht und auf zum zweiten Zahn (bei mir wurde erst das Unterkiefer behandelt). Ging ziemlich schnell und ich war erleichtert, dass die Hälfte schon geschafft ist. In meinem Kopf habe ich schon meinen positiven Erfahrungsbericht formuliert, dass alles nur halb so schlimm war. Aber falsch gedacht: Es wurde schlimmer.

Beim ersten Zahn im Oberkiefer ließ aber die Betäubung nach, was ich während dem Zahnfleisch abkratzen bemerkte. Mein Zahnarzt hatte vorher nur gesagt, ich solle mich irgendwie bemerkbar machen, wenn ich etwas spüre. Ja, aber wie bemerkbar machen, wenn du nicht reden kannst und wenn deine Hände unter dem Tuch bleiben müssen? Ich hatte echt Angst, denn ich wollte nicht auch noch spüren, wie jetzt den Knochen durchgebohrt und das Zahn herausgerissen wurde. Also begann ich etwas herumzuzappeln und „Es tut weh“ zu nuscheln. Ich kam mir echt lächerlich vor, als mich der Typ ein paar Minuten anstarrte und fragte, was ich sagen möchte.

Nach einer halben Ewigkeit kam er dann endlich auf die Idee, dass ich etwas spüren könnte und er verpasste mir gleich noch eine Spritze. Allerdings wartete er nicht mal darauf, dass auch die Wirkung einsetzte und so spürte ich trotzdem alles. Aber es ging. Es fühlte sich an, als würde man sich einen schon lockeren Zahn herausreißen. Das wurde dann auch vernäht und der letzte Zahn ging dann ganz schnell. Insgesamt 45 Minuten dauerte das ganze. Bis die Betäubung nachließ, dauerte es aber Stunden. Auf der einen Seite ließ sie ziemlich schnell nach, weshalb es auch sehr weh tat.

Aber ich konnte keine Schmerztablette schlucken, da meine Zunge vollkommen taub war und ich mich selbst bei den kleinsten Mengen Wasser heftig verschluckte. Irgendwann hatte ich aber wieder überall Gefühl, ich nahm eine Tablette und aß ein wenig (Babybrei). Die Schmerzen hielten sich in Grenzen und mir ging es überraschend gut. Abends konnte ich sogar ein paar Plätzchen essen (wobei es „zersabbern“ eher trifft).

Habe an dem Tag ungefähr 3 oder 4 Schmerztabletten genommen. In der Nacht bin ich dann wegen der Schmerzen aufgewacht und nahm gleich wieder eine Tablette. Am Morgen sah ich dann echt schlimm aus. Dicke Hamsterbacken und ein blauer Fleck bahnte sich an. Aber soweit war alles okay, ich konnte sogar ein paar Scheiben ungetoasteten Toast essen. Ich war echt glücklich, aber am Nachmittag wurde es dann ziemlich schlimm. Ich habe ständig weinen müssen, weil die Tabletten wirklich gar nichts geholfen haben. Ich bekam meinen Mund gar nicht mehr auf und konnte nichts mehr essen. Meine Backen waren auch innen total angeschwollen, weshalb ich auch meinen Mund nicht ganz zubekam. Das Schlucken tat mir extrem weh, was das Essen noch mehr erschwerte.

Am nächsten Tag erreichten die Schwellung und die Schmerzen den Höhepunkt. Es tat wirklich ziemlich weh, aber es war wirklich nur einen Tag lang so schlimm. Am nächsten Tag hatte ich so Hunger, dass ich sogar schon wieder bei McDonalds essen konnte. Am folgenden Tag konnte ich schon wieder vorsichtig normales Essen und die Schmerzen sowie die Schwellung gingen zurück. Am Montag war wieder Schule angesagt. Meine Backen waren nur noch leicht geschwollen, dafür waren sie aber leicht gelb und blau, aber nicht besonders kräftig.
Eine Woche nach der Op wurden dann die Fäden gezogen. Es tat etwas weh, war allerdings auch nicht schlimm.

Ich habe das ganze nun endlich überstanden. Noch einmal möchte ich es nicht machen müssen, aber es war wirklich nicht so schlimm wie befürchtet. Klar, es tut weh und es ist unangenehm, aber nach spätestens einer Woche ist alles wieder so wie vorher.



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