Carolin, 29: Nur Mut – es ist fast ein Spaziergang!!! Das einzig schlimme (und unsinnige) ist die Angst davor! (3 Zähne, örtliche Betäubung)

Carolin, 29: Nur Mut - es ist fast ein Spaziergang!!! Das einzig schlimme (und unsinnige) ist die Angst davor! (3 Zähne,  örtliche Betäubung)

Was hatte ich bloß für eine unbeschreibliche Angst, oh man… und im Nachhinein war tatsächlich diese Angst das einzig wirklich Schlimme,  und vielleicht die Tatsache, dass bis zu meinem Termin fast ein Monat Zeit verging, in dem ich mir alle möglichen Horrorszenarien ausgemalt habe, unsinnigerweise!

Ich hatte nur drei Weisheitszähne,  einer von ihnen hat über Jahre hinweg immer wieder Probleme gemacht und Entzündungen hervorgerufen – immer wieder hatte ich die OP abgelehnt bzw. auf unbestimmt verschoben, hatte ich mich mal nur gleich getraut! Ein Zahnarztwechsel und eine besonders schlimme Entzündung gaben schließlich den entscheidenden Anstupser und ich machte mit mulmigem Gefühl den Termin aus.

Durch meine blühende Fantasie, diverse Internetberichte etc. machte ich mich unheimlich fertig vorher, und ich war heilfroh über diese Seite hier!!! Ich zwang mich irgendwann dazu, nur die positiven Berichte zu lesen zur Vorbereitung.

Dann war es soweit, an einem Samstag. Mein Freund kam mit und hielt mir die Hand im Wartezimmer, ich war so aufgeregt!
Der Kieferchirurg war ein extrem netter und kompetenter Mann,  ich hatte ihn zwar zuvor noch nie gesehen, was mir erst Angst gemacht hatte, aber die war in Sekunden weg. Er war sehr freundlich und entschied sich dazu, zunächst nur zwei Zähne zu betäuben und zu ziehen und nach meinem Befinden danach dann zu entscheiden, ob wir den dritten noch schaffen oder nicht.
Die Spritzen waren absolut kein Problem, aber mich haben Betäubungsspritzen eh noch nie gestört, ich finde,  es ist ein angenehmer Schmerz. Ich hatte allerdings mit einer viel längeren Wirkzeit gerechnet!!  Nach nur wenigen Minuten wurde ich schon herübergerufen und es ging ruckzuck los, es wurde ein bißchen geplaudert und zack! War der obere schon raus. Ich dachte ich spinne, so schnell ging das, ich hatte bis auf ein wenig Druck im Prinzip nichts gemerkt!  Weiter ging es links unten, da fiel plötzlich das Wort Knochenfräse und mir wurde leicht mulmig. Lustigerweise hatte ich aber die ganze Zeit über einen Ohrwurm von einem Kinderlied, das meine Kinder zur Zeit hörten,  und ich konzentrierte mich darauf und sang die ganze Zeit lang Rolf Zuckowskis „Tiere brauchen Freunde“ in Gedanken 🙂 Es wurde etwas geruckelt, null Schmerzen!!!, genäht,  null Schmerzen,  und zack! War der nächste raus. Die Wurzel hatte sich da irgendwie zweigeteilt und ein Stück war steckengeblieben, ich hab von alldem nichts gemerkt und es wurde so schnell und sauber gearbeitet. Das war mein Problemzahn,  und weg war er! Ich hätte schreien können vor Freude, wie schnell das ging, es war nun etwas schade,  dass nicht gleich alle betäubt gewesen waren,  denn jetzt kamen nochmal spritzen und ein wenig Wartezeit. In der Zeit plauderten wir und ich zitterte wie espenlaub am Körper,  ich hatte aber total gute Laune,  es war nur so ein „Abzittern“  der Aufregung, das hatte ich nach den Geburten auch schon. Schwupps, war auch der dritte dann mithilfe der Fräse und Nähren raus auf der anderen unteren Seite.

Ich hatte solche Angst, tagelang meinen Mund nicht richtig öffnen zu können,  und es war absolut nicht der Fall!!! Bei meiner Weisheitszahnentzündung vorher konnte ich schlechter essen und hatte deutlich mehr Schmerzen als nach dieser dreifachen OP!!! Ich habe gekühlt und die ganze zeit auf schlimmste Schmerzen gewartet, aber was da nach Abklingen der Betäubung kam, war ein Witz gegen die vorherigen Entzündungsschmerzen, und nach zwei Tagen habe ich schon keine Schmerztabletten gebraucht, es wäre sogar auch ohne auszuhalten gewesen. Gegessen habe ich anfangs Brühe,  aber schon bald danach riesige Teller Kartoffelbrei, Kürbissuppe,  Tomatensuppe,  Babybrei..Alles schön püriert!

Wisst ihr, was das für ein geniales Gefühl war,  es endlich geschafft zu haben??? Und dass es gar nicht so schlimm war?  Ich war unendlich glücklich hinterher.

Das einzig wirklich Unangenehme war der ekelhafte Geschmack im Mund in den ersten Tagen, das war fast unerträglich. Das wurde erst immer stärker die ersten Tage,ließ dann aber Gott sei dank wieder nach und war vorm Fädenziehen wieder weg.
Apropos Fädenziehen – ich hab nix gemerkt davon, ebenfalls ein Klacks.

Kurze Zeit später hatte ich in einem der unteren Löcher eine kleine Entzündung wegen angesammelten Essensresten – die ging aber nach Behandlung sofort weg und ich habe von da an nach jedem Essen bzw. Zähneputzen mit einer Plastikspritze die Löcher hinten ausgespült, holt euch das unbedingt,  damit kriegt man in Sekunden alles sauber und es wird dann keine Probleme mehr geben. Nach 2-4 Wochen waren die löcher dann so ziemlich zugewachsen,  jedenfalls so, dass ich sie nicht mehr extra spülen brauche.

Der Spuk ist also endgültig vorbei, und ich bin stolz auf meine drei Beißerchen hier in meiner kleinen Dose,  die mich daran erinnern,  dass es sich echt lohnt,  Mut zu beweisen und sich zu trauen – es kommt immer anders (und besser!) als gedacht!!



2 Kommentare zu Carolin, 29: Nur Mut – es ist fast ein Spaziergang!!! Das einzig schlimme (und unsinnige) ist die Angst davor! (3 Zähne, örtliche Betäubung)

  1. Carolin

    Noch ein kleiner Nachtrag von mir: Die Wangen waren fast gar nicht angeschwollen, am zweiten Tag ganz leicht, aber man musste schon gut hingucken. Hab immer auf die Hamsterbacken gewartet, aber leider vergebens 🙂

  2. Stefan

    Toller Bericht, bei „ich sang die ganze Zeit lang Rolf Zuckowskis „Tiere brauchen Freunde“ in Gedanken“ musste ich wirklich lachen 😀 Schön, dass alles so gut verlaufen ist.

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