Jane Doe, 30: Muss man durch – und schafft man auch (Achtung lang)

Jane Doe, 30: Muss man durch - und schafft man auch (Achtung lang)

So, hier mal ein ausführlicher Bericht über die Entfernung aller Achter unter Vollnarkose trotz chronischer Entzündung. Bei mir ging alles glatt, war aber ein hartes Stück Arbeit. Ich hoffe für den Operateur auch 🙂 Vielleicht hilft es dem einen oder anderen Leser, der diesen Eingriff noch vor sich hat.

Also, im Sommer machte sich bei mir spontan eine Entzündung der beiden unteren Achter bemerkbar.
Mein ZA brachte mir dann auch schonend bei, dass ich mich von den Beißerchen verabschieden müsste – von allen 4 Weisheitszähnen. Ich war bedient. Es wurden Röntgenbilder sowie ein CT angefertigt und wie sich herausstellte, gab es so ziemlich alles an Komplikationen, was man sich wünschen kann – Achtung Ironie 🙂 Chronisch vereitert, retiniert und verlagert, Zyste und ein Nerv, der mit der Zahnwurzel im Unterkiefer verwachsen war. Dazu noch hübsch gebogene Wurzeln. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Mein ZA überwies mich daraufhin zum versierten Kieferchirurgen.
Als ich dort endlich einen Termin hatte eröffnete der Chirurg mir sofort, dass er diese OP nicht durchführen kann. Ich müsse in die MKG  und unter Vollnarkose operiert werden.
Ein Schock im ersten Moment, das muss ich zugeben. Wenn schon ein Kieferchirurg die Fahnen streckt, muss es ja furchtbar werden – dachte ich.

Ganz so schlimm wurde es nicht.
Ende August bekam ich ziemlich zügig den Termin zur Voruntersuchung und dem Narkosegespräch. Der Arzt, sehr jung und auch sehr nett, schien kompetent und nahm sich wirklich Zeit. Knapp 4 Woche später konnte es losgehen.

Morgens um 10 Uhr hatte ich den Termin. Ich war recht angespannt, aber nicht panisch. Hatte mehr Angst vor dem „danach“,als vor dem Eingriff oder der Narkose selbst. Man wies mir mein Bett und das schicke OP Hemd zu und ich musste mir die Zeit vertreiben, haha. Kurz nach 11 Uhr wurde ich dann endlich zur Vorbereitung abgeholt. Eine Schwester legte den Venenzugang – der Schmerz ist wirklich nur kurz und danach ist es nur unangenehm – und ich lag und wartete. Und wartete…und wartete 🙂 Es ging zu wie im Taubenschlag – ein Patient nach dem anderen wurde mal rein, mal rausgefahren. Ich empfand das Personal als sehr beansprucht, aber trotzdem sehr freundlich.

Endlich, um kurz nach 13 Uhr holte man mich ab. Ich kam in die Schleuse, musste auf den OP Tisch krabbeln und wurde warm eingepackt. Dann ging es in den OP und damit Schlag auf Schlag. Der Anästhesist, ein Assistent und eine OP Schwester warteten schon. Vom Operateur keine Spur! Ich wurde  an das Monitoring angeschlossen und bekam Sauerstoff über eine Maske. Dann wurde mir das Narkosemittel mit den Worten – schlafen sie gut Frau Doe – gespritzt und mir verschlug es schlagartig den Atem. Warum weiß ich nicht. Der Anästhesist forderte mich auf weiterzuatmen, was ich vielleicht noch zweimal schaffte, ehe ich weg war.

Halbwegs „wach“ wurde ich im Aufwachraum. Fühlte mich wie von einer Horde Pferde niedergetrampelt und hatte sofort Schmerzen. Ich konnte mich kaum rühren, fühlte aber dass ich schon zu dem Zeitpunkt Schwellungen bekam. Man band mir Kühlmittel um und spritzte mir ein Schmerzmittel, was mich auch wieder fast umgehauen hätte. Ein Blick auf die Uhr sagte, dass ich fast 2 Stunden im OP war.

Nach knapp einer Stunde brachte man mich auf Station, wo ich noch rund 2 Stunden lag und döste. Die Schmerzen waren weg und solange ich lag, ging es mir gut. Das änderte sich etwas, als ich aufstehen musste. Schwindelig war mir und auch ein wenig übel. Aber alles hielt sich in Grenzen.
Man entließ mich mit einer Krankmeldung für eine Woche und einem Antibiotikum für einige Tage, sowie ein paar Ibu 600. Lt. Operateur – den ich für max. 15 Sekunden an meinem Bett gesehen habe, was ich richtig schlecht fand – hat er mir die Kieferhöhle auf einer Seite eröffnet, da die Wurzeln meiner Zähnchen zu lange waren. Naja, kommt auch nicht mehr drauf an, dachte ich 🙂 Auch hatte er eine Neurolyse gemacht, um den Nerv zu entlasten.

Die nächsten Tage waren hart. Die Schwellungen nahmen trotz Kühlung enorme Ausmaße an. Ich konnte meinen Mund kaum öffnen, nicht essen, meine Mundwinkel waren total kaputt und ich bekam starke Hämatome, die sich bis zum Hals zogen. Ich sah aus, als hätte man mich vermöbelt 🙂 Die Schmerzen waren aber immer erträglich. Zwar brauchte ich ca. 1 Woche täglich Schmerzmittel, aber max. 2 Stück am Tag.

Heute nun, Tag 9 post OP geht es mir wieder recht gut. Ich habe nur noch leicht sichtbare Blutergüsse, kann meinen Mund besser öffnen und die Schwellungen sind nur noch leicht vorhanden. Essen wird täglich besser und auch die Zahnpflege normalisiert sich. Insgesamt wurde ich für 2 Wochen arbeitsunfähig geschrieben, was auch absolut nötig war.

Es sind schon ein paar harte Tage, keine Frage. Leider bleibt einem meist keine Wahl, also Augen zu und durch. Was uns nicht umbringt, macht uns härter 😉



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