Luise, 21: Unangenehm aber machbar (ausführlich)

Luise, 21: Unangenehm aber machbar (ausführlich)

Ich habe meine 4 Weisheitszähne vor ziemlich genau einem Monat unter örtlicher Betäubung entfernt bekommen. Hier mein etwas ausführlicher Erfahrungsbericht:

VOR DER OP:
Ich bin mit dem Wunsch einer Überweisung zum Kieferchirurg zu meiner Zahnärztin gegangen (ich hatte nie wirklich Probleme mit den 8ern, aber schon meine Kieferorthopädin meinte damals, dass sie raus müssen, weil sie meine Zähne wieder verschieben). Dort wurde ein Röntgenbild gemacht, mit dem Ergebnis, dass die Zähne auf jeden Fall alle raus müssen. Mit der Überweisung in der Hand gings also zum hiesigen Kieferchirurgen. Der schaute sich das Bild an und meinte, es wäre gut, ich würde noch ein CT machen lassen, weil er nicht sehen kann, wie die Nerven zum Zahn liegen. Doch auch auf dem CT war es nicht so richtig sichtbar, auf jeden Fall hatten beider im Unterkiefer Nervlage und der linke Zahn lag dazu noch horizontal im Kiefer. Also auf gings zur OP

DIE OP:
Am Tag der OP war ich natürlich super aufgeregt. Mein Termin war um 12 Uhr, ich hätte also noch ein letztes Mal richtig schön frühstücken können, doch ich bekam nichts runter. 12:15 Uhr saß ich dann auf dem Zahnarztstuhl. Der Arzt kam rein, fragte ob alles ok ist und gab mir dann die Betäubungsspritzen. Die taten bei ihm überhaupt nicht weh, wirklich null. Das ist sicherlich von Arzt zu Arzt verschieden. 10 min später gings dann los.
Es wurde zuerst der schwierigste Zahn entfernt. Ich muss sagen, dass das ganze vor allem im Unterkiefer echt nicht angenehm ist. Nicht schmerzhaft aber eben unangenehm. Vom Zahnfleisch aufschneiden usw merkt man natürlich nichts, aber das Fräsen am Knochen ist sehr laut und auch mit einem blöden Druckgefühl verbunden. Am schlimmsten fand ich aber das Knacken, wenn der Zahn „zertrümmert“ wird und das anschließende sehr sehr unangenehme Raushebeln des Zahnes. Ich kann das schlecht beschreiben, wie sich das anfühlt, auf jeden Fall spürt man einen unheimlichen Druck aber auch Erleichterung, wenn der Arzt endlich vom Zahn ablässt. Die Nervlage bereitete bei beiden unteren Zähnen dann doch kaum Probleme.
Die oberen Zähne sind meiner Meinung nach viel besser zu ertragen. Bei mir war dann nur das Problem, dass einer etwas in die Kieferhöhle ragte und daher ein kleines Loch entstand, was genäht werden musste und weswegen ich dann 3 Wochen lang meine Nase nicht ausschnauben durfte.
Als alle Zähne draußen und alle Wunden vernäht waren, bekam ich noch sämtliche Rezepte für Medikamente (ich bekam Ibu 400, Antibiotika, eine Tablette zum sofort nehmen und Nasenspray) und ein Blatt auf dem stand, was ich alles darf und was nicht.

NACH DER OP:
Als ich zu Hause war, habe ich sofort angefangen zu kühlen. Meine Wangen waren auch schon ordentlich geschwollen. Ich habe immer 15 min gekühlt, 15 min Pause gemacht. Man hat also echt ganz schön zu tun. Hunger hatte ich an dem Tag gar keinen, da aber die Antibiotika immer mit den Mahlzeiten genommen werden sollten, aß ich noch etwas kalte Tomatensuppe. Wichtig ist, dass ihr keine Milchprodukte esst (das Calcium mindert die Wirkstoffe der Antibiotika) und auch nicht zu heiß. Was bei mit ganz gut ging waren Suppen, Kartoffelbrei, Möhrenbrei,Avocado, Babybrei (aber nur die, die nur aus Gemüse oder Obst bestehen. Die anderen sind echt nicht zu empfehlen).
Richtig essen konnte ich ungefähr eine Woche nicht, danach ging es dann immer besser. Erst ganz weiche Nudeln mit viel Soße, dann Kartoffeln usw.
Die Schwellung war bei mir am 2. Tag nach der OP am schlimmsten und war eine Woche nach der OP komplett weg. Gekühlt habe ich ungefähr 5 Tage lang regelmäßig.
Schmerzen hatte ich keine. Ein Druckgefühl, wenn dir Schmerzmittel nachließen, aber die Ibu 400 hat bei mir 1a gewirkt und waren ausreichend.

FÄDEN ZIEHEN:
Zum Fäden ziehen lässt sich eigentlich nicht viel sagen. Es ging super schnell. Bei mir tat es ein bisschen weh, weil der Faden hier und da schon etwas eingewachsen war. Der Arzt hatte sie extra 12 Tage drin gelassen, hatte aber nicht mit meiner guten Wundheilung gerechnet. 😀

Nach dem Fäden ziehen hatte ich aber ein paar Probleme. Aus der einen Wunde (die, wo sehr viel Knochen abgetragen werden musste, unten links) kam ständig eine gelbliche Flüssigkeit, die echt ekelig schmeckte und ab und zu sehr ekelig roch (so, wie ganz schlimmer Mundgeruch). Das kam so schwallweise, in Verbindung mit Essensresten raus. Ich war dann beim Zahnarzt und sie meinte, das wäre ganz normale Wundflüssigkeit, kein Eiter etc.
Jetzt,1 Monat nach der OP und 2 Wochen nach dem Fäden ziehen, kommt immer noch ab und zu was aus der Wunde und wenn ich Sport mache, pulsiert sie auch etwas. Man merkt einfach, dass da auf der Seite ordentlich was vom Knochen weg ging. Schmerzen hab ich aber keine.

Das Einzige, was mich echt gestört hat, war das beschränkte Nahrungsangebot, der Suppen und Breie ist man mit der Zeit echt überdrüssig.

Also…die Weisheitszahn- OP ist unangenehm aber definitiv nichts, wovor man Panikattacken haben müsste. Lokalanästhesie ist meiner Meinung nach völlig ausreichend, aber das kommt ganz darauf an, wie man damit umgeht, alles mitzubekommen.
Es gibt einige Videos bei youtube, in denen live gezeigt wird, wie die Zähne entfernt werden. Ich würde euch empfehlen das ganze erst nach der OP anzugucken. Dann ist es auch echt interessant. 😀 Und ich würde auch jedem empfehlen alle 4 auf einmal rausnehmen zu lassen. Einschränkungen hat man eh, egal wie viele entfernt werden. Nochmal wöllte ich das Ganze nämlich definitiv nicht über mich ergehen lassen und damit meine ich OP und die Zeit danach.

Ich hab mir vorher einfach immer gedacht: Es haben Millionen vor mir geschafft, so schlimm kann es also nicht sein.
Viel Erfolg!



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