Merle, 26: In den besten Händen und unter Vollnarkose

Merle, 26: In den besten Händen und unter Vollnarkose

Hallo zusammen,

ich habe heute vor zwei Wochen alle meine vier Weisheitszähne unter Vollnarkose entfernt bekommen. Die oberen waren bei mir schon rausgewachsen, allerdings hatten sie keinen Gegenbiss, weil meine unteren beiden retiniert waren  – also nicht ganz rauswachsen konnten. Auf dem Röntgenbild konnte man schon eine leichte Entzündung im Unterkiefer sehen. Wie sich bei der OP herausstellte, waren das aber schon ganz schön große Zysten, die sich teilweise schon am Kieferknochen breit gemacht hatten. Während der OP wurde mir ein Teil des Knochens neu verpflanzt. Hinzu kam, dass sich eine Wurzel im Unterkiefer um einen Nerv gelegt hatte, sodass sie diesen freilegen musste. Alles in allem: Ohne Vollnarkose wäre der Eingriff gar nicht möglich gewesen. Mein Bauchgefühl hatte sich wieder mal bestätigt.
Das Komische ist, dass ich vorher keinerlei Beschwerden hatte! Jedenfalls nannte mich die Kieferchirurgin nachher ein „Überraschungsei“ 😀

So, nun aber zum Ablauf meiner OP.
Ich bin ein ziemlicher Angsthase und kann es eigentlich gar nicht leiden, wenn ich nicht genau weiß, was mit mir passiert. Auch ich habe Stunden auf dieser Seite verbracht und mich wahnsinnig gemacht – völlig umsonst! Jedenfalls habe ich im Internet irgendwo gelesen, dass man sich bereits VOR der OP eine Tablette geben lassen kann, die einem so ein bisschen die Angst nimmt: Dormicum. Weil ich jemand bin, der schnell mal umkippt (Kreislaufprobleme) , wenn er etwas machen muss, wovor er Angst hat, habe ich die Anästhesistin im Vorgespräch darauf angesprochen. Sie meinte, ich solle mir nicht allzu viele davon erhoffen aber weil ich so eine Angst hatte, bestand ich drauf. Ich kam also eine halbe Stunde vor der OP in die Praxis und nahm mit einem Schluck Wasser die Tablette ein. Dann ging es für ca. 20 Minuten noch mal in das Wartezimmer, in dem ich allerdings die einzige Patientin war – was ziemlich gut war. Ich wollte irgendwie nicht, dass „man mich so sieht“. Zur Beruhigung hatte ich meinen Freund dabei. Bereits 10 Minuten nach der Einnahme der Tablette habe ich ein leichtes Kribbeln in den Waden gespürt und allmählich wurde ich echt ruhiger. Einhörner fliegen sehen oder so was hab ich nicht (schade eigentlich 😉 ), aber ich hatte einfach nicht mehr so eine RIESEN Angst. Nach 20 Minuten hat mich die Anästhesistin samt Freund in den OP begleitet. Ich habe sofort meine Brille abgesetzt, damit ich mir gar nicht alles anschauen kann. Das war gut, denn ich wollte die Kanüle nicht sehen. Das Tolle an meiner Kieferchirurgin war: Mein Freund durfte mit in den OP! Er hat meine Hand gehalten, während die Anästhesistin mich mit Fragen abgelenkt hat (Was studieren Sie? etc…) Außerdem sollte ich mit der Hand ständig eine Faust machen und wieder öffnen. Ich war so darauf konzentriert, dass ich gar nicht gemerkt hab, was passiert. Und irgendwann währenddessen hat sie meinen Arm desinfiziert und die Kanüle gelegt. Ich habe es wirklich kaum gemerkt! Viel mehr so ein leichtes Druckgefühl als Schmerz. Dann wurde es mir ein bisschen warm, aber nicht unangenehm, sondern eher wohlig. Die Anästhesistin hat mir dann noch zwei mal Sauerstoff über die Maske gegeben und dann hab ich schon gesagt, dass ich merke, dass ich gleich weg bin. „Machen Sie die Augen zu“ war das letzte, was ich gehört hab. Dann war ich weg.

*schlummer*

So, wieder im OP. Ich merkte, dass ich langsam wach wurde. Meine Muskeln haben kurz gezittert – „das kommt von der Narkose. Alles gut“, hab ich die Anästhesistin gehört. Und die Hand von meinem Freund gespürt – unbezahlbar! Ich weiß noch, dass ich ziemlich Durst hatte. Sofort wurden mir die Watte Pads rausgenommen und ein Glas Wasser mit Traubenzucker (ebenfalls GOLD wert!!!) gereicht. Mein Kopf hat sich wahnsinnig schwer angefühlt, das weiß ich noch. Und dass ich erzählt hab, dass ich NICHTS gespürt habe. Vielleicht 5 Minuten später habe ich mich langsam hingesetzt und bin dann von Anästhesistin und meinem Schatz begleitet in den Flur gegangen. Da bin ich wohl – so sagt es mir mein Freund – noch ein paar mal kurz weg genickt. Weitere 10 Minuten später bin ich kurz auf Toilette ausspucken gegangen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt KEINERLEI Schmerzen, ich war nur sehr müde. Mit Kühlpads und einem Rezept ausgestattet bin ich ins Auto gebracht worden.

Medis, die ich genommen habe:
– IBU 600 Morgens und Abends eine
– Novalgin Tropfen (20-40 je nach Bedarf) – habe ich nicht vertragen. Hat sich in Magenkrämpfen geäußert. War aber nicht schlimm, weil ich eh keine Schmerzen hatte
– Nebennierenhormon je zwei Stück zum Frühstück die ersten zwei Tage nach der OP

Wieder zuhause habe ich mich erstmal hingelegt. Wichtig dabei: Hoch liegen, um keine Blutung zu riskieren. Also habe ich mit vielen Kissen ein hohe Kopfliegefläche gebaut. Dann bekam ich Hunger. Apfelmus war super. Etwas kühl und leicht zu Schlucken. Dabei ständig kühlen. Ich habe immer abgewechselt zw. Kühlpads und nassen Waschlappen. Abends konnte ich sogar weiche Nudeln mit ein bisschen Tomatenmatsch essen! Ich war wirklich überrascht, wie gut es mir ging! Ich muss dazu sagen, ich habe die IBUs genommen, noch bevor ich Schmerzen bekommen konnte. Ich hatte vor kurzen eine Hornhautentzündung – die war weitaus schmerzhafter als das, wirklich! Am nächsten Tag hatte ich eine leichte Schwellung auf der Seite, wo der Knochen schon angegriffen war. Der Rest war völlig normal. Ich habe vorsichtig gegessen und jedes mal gründlich ausgespült und 3x am Tag ganz vorsichtig Zähne geputzt. Mundgeruch hatte ich auch keinen. Weil meine OP Samstag war, musste ich erst Montag zur Kontrolle. Mir wurden die vier Stellen kurz mit Lästerin desinfiziert und das wars. „Sieht sehr gut aus.“

Und das war es eigentlich auch schon. Ich war noch ca. 5 Tage ziemlich platt von der Narkose aber ich hatte zu keinem Zeitpunkt Schmerzen! Allerdings habe ich mich auch strengstens an die Vorgaben der Ärztin gehalten und mich wirklich geschont. Auch die hohe Schlafposition habe ich eine Woche durchgezogen. Nach 10 Tagen wurden mir die Fäden gezogen, das habe ich nicht mal richtig gemerkt. Nur wieder auf dem schwersten Zahn mit dem Knochen… Naja, ein kurzes Ziehen – erlöst!

Wie ihr seht: Es ist wirklich alles halb so schlimm! Ich bin sehr froh, dass ich es hinter mir habe und ich würde wirklich jedem eine Vollnarkose empfehlen. Dann müsst ihr nur einmal bibbern und seid die Fieslinge auf einen Streich los 🙂 Nachwachsen können die Biester zum Glück ja nicht 😉

Kopf hoch, ihr packt das! Wenn ihr Fragen habt, versuche ich euch gerne zu helfen. Schreibt einfach einen Kommentar 🙂

Hier noch mal meine Tipps:
– Beruhigungstablette bzw. Dormicum verlangen
– Vollnarkose!!!
– Geht bitte zu einem Spezialisten! Die machen das jeden Tag und können mit eventuellen „Überraschungen“ umgehen. Ich habe meine Ärztin auf jameda gefunden – dank top Bewertung.
– Lieblingsdecke oder Kissen (ich Schisser hatte beides) mitnehmen – darf sogar mit in den OP und wenn man aufwacht, fühlt man sich gleich ein bisschen geborgener
– Freund oder Eltern mitnehmen – ist bei Vollnarkose sowieso ein MUSS. Auf jeden Fall jmd, der euch beruhigt – nicht jmd, der selbst Angst hat!
– Kühlpads NIEMALS pur auf die Wange, immer in ein Handtuch oder nassen Waschlappen einwickeln!
– Nudelvorrat und Apfelmus in verschiedenen Sorten kaufen
– nach JEDER Mahlzeit Mund ausspülen
– in den ertsen 3 Tagen auf Milchprodukte verzichten, auch kein Kaffee oder Nikotin!
– am OP Tag keine Zähne putzen, danach mit Kinderzahnbürste ganz vorsichtig
– wer Kreislaufprobleme hat: Öfter mal ans offene Fenster stellen und je nach Befinden immer größere Runden außerhalb der eigenen Wohnung drehen (am besten in Begleitung!)
– Sonne in den ersten3 Tagen vermeiden (mir wurde schwindelig)
– in den ersten Tagen nach der OP nicht duschen, ohne das jmd im Haus ist, falls sich der Kreislauf verabschieden sollte
– Lauwarmen Kamilletee trinken und gurgeln
– Globuli! Arnica D30 in der Apotheke holen. Einen Tag vor der OP 5 Kugeln, direkt vor der OP 5 Kugeln. Nach der OP je 3x täglich 5 Kugeln (beugt Schwellungen vor). Unterstützend 1x Tag Belladonna 5 Kugeln (beugt Entzündungen vor)
– sich danach bei der Ärztin mit selbstgemachten Pralinen bedankten 😉
– den Freund, der DAS alles mitmacht, am besten SOFORT heiraten, damit er nicht mehr flüchten kann 😀 😀 😀

Alles Liebe euch allen! <3



6 Kommentare zu Merle, 26: In den besten Händen und unter Vollnarkose

  1. mrsbabahoho

    Hallo mir steht das noch bevor hab ziemlich schmerzen und ein druck auf meinem whz unten links meine frage was hast du bezahlt und wo warst du?

  2. Merle

    Hey!

    Ich war bei Frau Dr.Dr. Ritter (Praxis am Kurpark, Wiesbaden). Sie ist wirklich super lieb und fachlich top! Meinst du mit den Kosten die Kosten für die gesamte Behandlung oder nur die Vollbarkose?
    Da ich ein komplizierter Fall war, nehme ich an, dass meine Kosten nicht wirklich vergleichbar sind. Aber für alles (Voruntersuchung, OP samt Narkose, Medis, pathologische Untersuchung der Zysten, nachsorgliches Röntgenbild und Fädenziehen) habe ich knapp 1.500€ bezahlt. wieviel die Krankenkasse davon übernimmt, weiß ich noch nicht.

    Ich weiß aber, dass sie auch Kassenpatienten annimmt und laut Jameda sind die auch super zufrieden mit ihrer Arbeit. Und wie gesagt: bei mir war es leider viel mehr als nur die weisheitszähne.

    Du kannst dir ja mal ein Bild von ihr machen und nach einem Kostenvoranschlag fragen. Ich wünsche dir ganz viel Mut und einen guten Heilungsverlauf!
    Du schaffst das!

    Ps: dr.lange wiesbaden soll auch sehr gut sein. Vielleicht kannst du die beiden ja mal kostentechnisch vergleichen!

  3. Fiona

    Déin Bericht gefällt mir sehr gut. Vielen Dank dafür. Mir macht die Vorstellung, dass mir in den nächsten Tagen ein Weisheitszahn rausgemacht wird Furcht . Ich habe Herzschmerzen vor lauter Druck. Dein Bericht macht es mir ein wenig leichter, mich diesen Eingriff zu stellen. Viele Grüsse

    • Merle

      Hallo Fiona,

      vielen Dank. Ich hoffe, Deine OP ist gut verlaufen! Wie geht es Dir?

      Viele Grüße und toll, dass Du es jetzt hinter Dir hast!

  4. Tina Lange

    Hallo Merle,
    Dein Bericht macht Mut – jedoch habe ich Bedenken, weil man ja nüchtern zur OP muß und folgerichtig die starken Schmerzmittel danach auf nüchternen Magen
    nehmen muß. Geht das gut?
    LG
    Tina

  5. Laura

    Hallo,

    wie lange warst du denn eigentlich „weg“ ?

    Mir sollen die auch bald möglichst unter Vollnarkose gezogen werden :/

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