Sarah, 21: 6 auf einen Schlag

Sarah, 21: 6 auf einen Schlag

Hallo zusammen!

Vor genau einer Woche wurde mir meine 4 Weisheitszähne, sowie 2 weitere Backenzähne im Unterkiefer gezogen. Das musste bei mir gemacht werden, weil mein Kiefer zu klein ist und selbst die 2 entfernten Backenzähne schon komplett nach innen gekippt waren.
Die Weisheitszähne waren dabei alle noch im Kiefer, versuchten sich aber schon ihren Weg in meinen viel zu kleinen Kiefer zu bahnen!

Ich entschied mich für eine Vollnarkose, die Alternative war, es in 3-4 Sitzungen mit lokaler Betäubung durch zu ziehen. Nein danke! Ich habe zwar absolut keine Zahnarztangst, aber ich war mir sicher, dass sich das dadurch ändern könnte 😉

Natürlich war ich vorher aufgeregt und hatte Angst vielleicht nicht mehr aus der Narkose aufzuwachen. Ganz optimal war mein Zustand zugegeben auch nicht, ich erholte mich grade von einer Erkältung, aber der Narkosearzt meinte, dass dies kein Problem wäre.

Der Tag war gekommen! Aufgeregt saß ich im Wartezimmer des Kieferchirugen an den mich mein Hauszahnarzt überwiesen hat. Trotz Termin musste ich mit meinen Eltern noch 1,5 Stunden warten 🙁 Komischerweise hab ich dieses Warten aber ganz gut hingenommen, bin ruhig geblieben und hab mir gar keine Sorgen mehr gemacht.
Nach einem kurzen Check des Narkosearztes war alles klar, die OP kann stattfinden.

Ich musste meine Strickjacke in einem kleinen Raum vor dem OP ablegen ein Krankenhaushemd und diese Krankenhaus-Überzieher für die Schuhe drüber ziehen.
Im OP liefen schon 3 Zahnarzthelferinnen hin und her und der Narkosearzt war im Raum.
Ich musste mich auf eine nicht grade bequeme Liege legen und mir wurde ein Venenzugang am Arm gelegt. Ich wollte davon gar nix mitbekommen und hab zur anderen Seite weggeschaut. Der Narkosearzt hat mir noch ein Klipser an den Finger gemacht und eine Blutdruckmanschette angelegt.
Er unterhielt sich mit mir kurz darüber, was ich beruflich mache und dass ich gleich an etwas schönes vor dem Einschlafen denken soll.

Im gleichen Moment packte mir eine Helferin eine Maske aufs Gesicht und ich sollte tief einatmen. Die ersten 2-3 Atemzüge war das angenehm, danach kam aber definitiv was anderes raus als Sauerstoff und schwuups! Ich war weg.

Als ich wach wurde, wusste ich nichtmals, ob ich grade am einschlafen, oder am wach werden bin 😉 Meine Mama hat meinen Hand gehalten, ich habe gezittert und konnte die Augen nur für einen Sekundenbruchteil aufhalten. Nach wenigen Minuten hat sich das gegeben. Ich habe realisiert wo ich bin und ich konnte mich nach ein paar weitern Minuten hinsetzen.

Bis hier hin: Alles supi dupi, ich war einfach froh, wieder wach geworden zu sein. Schmerzen hatte ich sogut wie keine. Meinen Mund habe ich überhaupt nicht gespürt, dementsprechend lief mir der Blut-Sabber auch aus dem Gesicht.
Nach einigen Minuten lief das Blut allerdings stark, weshalb ich nochmals in beide Seiten jeweils 2 Wattetupfer bekommen hab. Glaub mir, in dem Moment macht euch das gar nix aus, so schlimm es auch klingt, es ist kein Ding 😉 Wenigstens hatte ich das Vergnügen, 2 weiteren Opfern beim Aufwachen zuzusehen. Anscheinend habe ich auch so geschnarcht 😀

Die Tupfer wurden nochmals ausgetauscht und dann musste ich die Praxis verlassen, weil der Nächste aus dem OP kam und schlicht kein Platz für mich da war. Ich wäre lieber noch etwas dort geblieben, da ich meinen Unterkiefer + Lippe immer noch nicht gespürt habe, aber naja.
Super war auch, dass die Praxis direkt an der Fußgängerzone meiner Kreisstadt liegt und ich erstmal Blutsabbernd bis zum Parkhaus laufen konnte.
Im Auto habe ich ein Taschentuch nach dem anderen voll gesabbert.

Zuhause ließen dann langsam die Schmerzmittel und die Betäubung nach, ich bekam Schmerzen. An diesem Punkt war ich mit der Situation einfach überfordert und ich musste weinen. Ich konnte das Blut nicht ausspucken, da ich meine Lippe nicht spürte, keine Tablette nehmen, weil ich kein Wasser in den Mund nehmen konnte. Es. War. Zum. Kotzen. Irgendwie bin ich dann aufs Badezimmer und hab Wasser in meinen Mund laufen lassen, damit ich wenigstens das gröbste Blut rausbekomme. Aber!!! Nicht spülen! Das soll man am Operationstag auf gar keinen Fall! Als krönendes Sahnehäubchen kam dann auch noch das Blut aus der Nase dazu, vermutlich durch das Intubieren.
Nachdem ich meinen ersten Heulkrampf irgendwie überwunden hatte, spürte ich auch langsam meine Zunge wieder, Zeit für eine Schmerztablette! Die musste meine Mama mir zerteilen, denn die Hammerdinger hätte ich in dem Moment nicht an einem Stück runterbekommen. Nach 2x 600 Ibuprofen, wie die Ärztin es verordnet hatte, ging es mir aber erstaunlich gut.

Erst an diesem Punkt realisierte ich, dass ich eine Verbandsplatte im Unterkiefer hatte.
Klar, vorher wurde mir das Erklärt, der Abdruck wurde ja auch gemacht.
Für alle die Angst haben: Das ist quasi einfach nur eine Plastikschiene, die über die Zähne kommt. Das tut nicht weh, man siehts auch eigentlich gar nicht, schützt aber die offenen Wunden. Das wurde bei mir aber auch nur wegen den 2 weiter vorne liegenden Backenzähnen gemacht. 😉

Am Abend musste ich einfach etwas essen, ich bin eh schon ein Strich in der Landschaft.
Meine Wahl fiel auf eine appetitliche Hipp Mahlzeit. Ganz egal, es war toll etwas „zu essen“.

In den ersten paar Nächten bin ich immer wieder von den Schmerzen wach geworden und musste mir noch eine Tablette einwerfen, nach 5 Tagen ging das auch klar.
Die Verbandsplatte sollte ich bereits am 2 Tag rausnehmen und säubern. Ebenso wie nach jeder „Mahlzeit“. Ja, das Essen besteht auch an Tag 7 immer noch nur aus Brei, aber ich habe das Gefühl, dass es langsam bergauf geht!

Dienstags war die OP, Freitags ging es mir immer noch so mäßig, dass ich meinen normalen Zahnarzt aufsuchte. Der hat mir den Streifen im unteren linken Krater ausgetauscht und irgendein Medikament in die Wunde gespritzt. Holla, meine Güte hat das weh getan o.O Ich bin sonst absolut nicht zimperlich oder schmerzempfindlich, aber das hat mich in dem Moment echt zum heulen gebracht! Da mein Zahnarzt an diesem Wochenende Notdienst hatte, bat er mich, Sonntags nochmals vorbei zu schauen.
Sonntags dann wieder die gleiche Prozedur. Steifen gewechselt und diesen sehr schmerzhaften Stich in die Wunde.

Heute, eine Woche später, musste ich dann wieder zum Kieferchirugen zum Fäden ziehen.
Meine Ärztin ist Gott sei Dank sehr freundlich. Sie warnte mich vor, dass das ziehen des Streifens weh tut. Ich konnte nur lachen^^ Das Ziehen der Fäden hab ich fast gar nicht mitbekommen. Vielleicht, weil ich mich wieder auf das schlimmste vorbereitet hatte.
Die Verbandsplatte kann ich jetzt auch beim Essen weglassen, solange ich mich wohlfühle. Was für eine Erleichterung. Essen ging damit echt gar nicht!
Nächste Woche muss ich wieder zum Arzt um die letzten Streifen los zu werden und dann werde ich es hoffentlich geschafft haben!

Fazit: Ich hatte extreme Angst „vor“ der OP. Vor der Narkose, vor dem nicht mehr aufwachen. Alles unbegründet. Gut, dass ich mir keine Gedanken über die Schmerzen danach gemacht habe, denn DAS war das eigentlich Schlimmste. Dank sehr gutes und intensives Kühlen, wurde die Backe zwar schon sehr dick, aber es war auszuhalten und ich habe mein Gesicht noch erkannt. Gegen Schmerzen helfen mir die Schmerzmittel sehr gut, da kann ich mich nicht beklagen. Das einzige was mich immer noch schlaucht, ist das wenige breiige Essen. Ich denke in ein paar Tagen wird sich das aber auch erledigt haben. Jetzt hoffe ich nur, dass ich nieee wieder einen Zahn gezogen bekommen muss!

Legt euch vor der OP am Besten einige Kühlpads zu, genau so wie Kindernahrung oder Wassereis. Ideal ist es natürlich eine Mama (oder andere liebenswerte Person :D) zu haben, die euch Kartoffelbrei und Co. zubereitet. (Ohne dieses köstliche Kartoffel-Möhren Püree hätte ich das nicht überstanden!)

Allen anderen viel Mut und Erfolg, ihr schafft das!



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