Sebi, 26: Mit Slayer und örtlicher Betäubung…

Sebi, 26: Mit Slayer und örtlicher Betäubung...

Hallo ihr Lieben!

Na, wollt ihr euch gerade vor der OP ein wenig Panik anlesen?
Das könnte was werden, ist aber in Wirklichkeit alles nur halb so schlimm! 😉

Ich habe am Dienstag meine unteren beiden Weisheitszähne unter örtlicher Betäubung rausbekommen, aber vorweg noch was zu meiner Vorgeschichte.

Ich stehe nicht gerade darauf zum Zahnarzt zu gehen, (wer tut das schon?) besonders nicht, wenn etwas wichtiges auf der Behandlungsliste steht.
So war es auch schon bei meinen oberen Weiheitszähnen. Beide habe ich in Einzelsitzungen, unter örtlicher Betäubung, in einer Art Notdienst von meinem Zahndoc gezogen bekommen. Grund war, obwohl ich schon lange wusste das sie raus müssen: Ich habe damals den Mund kaum noch aufbekommen vor Schmerzen.
Das ziehen oben war aber eigentlich überhaupt kein Problem! Eine Füllung zu bekommen finde ich fast schlimmer.
Es hat weder vorher, noch hinterher geschmerzt und ich habe nur eine Schmerztablette (in beiden Fällen) als Alibi zum schlafen genommen.

Mein ZA machte damals leider schon Bemerkungen, dass die unteren WHZ auch „bei Gelegenheit“ mal raus müssten. Er wolle dies aber nicht selber machen… (Puh!) Zwei Jahre sind dann ins Land gezogen, bis ich auf einmal beim Kauen Probleme im Kiefergelenk bekam.
Schnell war mir klar was dafür verantwortlich ist und ich nutzte den akuten Schmerz, um einen Termin beim Kieferchirugen zu machen.
Zwei Wochen später(letzten Dienstag, heute Sonntag) habe ich dann einen Termin bekommen.

„Oh Gott! Jetzt steht es also fest!
Ich muss zum Schächter auf den Behandlungsstuhl/die Schlachtbank und DIE Behandlung durchführen lassen, von der ich schon sooo viele Horrorgeschichten gehört habe.“: und ähnlich komische Dinge gingen mir durch den Kopf.

Also habe ich mich erstmal schlau gelesen, wobei mir diese Seite hier echt geholfen hat.(Danke dafür!) In weiser Voraussicht bin ich dann vor meiner OP nochmal shoppen gegangen.
Meine Einkaufsliste sah in etwa so aus:
2x Kühlkissen
1x Arnica D12 Kügelchen
1x Kamillentee
1x Apfel-Pfirsichkompott (sehr lecker!)
1x Soja-Vanillemilch
X Zutaten für eine ordentliche dicke Curry-Kürbissuppe (Meine erste Suppe! Sau lecker, super ergibig und sättigend)

Ich habe hier in einigen Berichten gelesen, dass sich Leute ihre MP3 Player zur Behandlung mitgenommen haben.
Morgens vor der OP habe ich dann überlegt, welche Musik meine Stimmung im Moment der Behandlung wohl am besten unterstreichen könnte. Philip Poisel? Ne, zuviel geheule… Die Ärzte „Ooohooh Arschloch!“, treffend aber zu albern…
Da war mir schnell klar, es kann nur Slayer sein!
Eigentlich höre ich die so gut wie garnicht, aber welches andere Album kann in solch harten Zeiten meiner Seele überhaut etwas gutes tun, wenn nicht Reign in Blood? 🙂

Nach einem dekandenten Frühstück ging es dann Dienstag Morgen mit der Straßenbahn richtung Praxis.
Man hatte ich keine Lust!
So richtig mit verschwitzten Fingern und so!
Aber es half ja nichts, die Bahn hielt und ich musste raus. Es waren nur ein paar Meter zu der Praxis und ich war in Windeseile da. Auf dem kurzen Weg dort hin merkte ich mir auch eine Apotheke, auf die ich später noch zurückkommen wollte.
In der Praxis wurde ich dann am Empfang von einer jungen Angestellten begrüßt – Wow hatte die schöne Augen! Sie drückte mir einen Fragebogen in die Hand, mit dem ich mich erstmal im Wartezimmer beschäftigen durfe. In der Zeit des ausfüllen – wenn ich nicht gerade an die Augen der jungen Angestellten denken musste – konnte ich die vom Kieferchirugen geschundenen Leute im Flur beobachten. Keine gute Idee! Nächstes mal sitz ich nicht gegenüber der offenen Tür.
Als ich mit dem Ausfüllen fertig war und ich den Schrieb bei der jungen Dame (mit den tollen Augen) abgegeben hatte, durfte ich zum Röntgen und nochmal einen kurzen Augenblick ins Wartezimmer.
Als es mir dann langsam anfing im Wartezimmer richtig gut zu gefallen, wurde ich leider doch noch aufgerufen.

Nicht von der schönen Angestellten, sondern von ihrer bösen Schwester, der Zahnarzthelferin.
Sie ging mit mir Schnur stracks (wie schreibt man das?) in den Behandlungsraum und ließ mich auf dem Behandlungsstuhl platz nehmen.
Ich bekam ein Letzchen um den Hals und sie fing gleich fröhlich damit an, eine Menge pervers aussehender Werkzeuge vor mir auf dem Arbeitstisch des Chirugen auszubreiten. Auch eine große Spritze war dabei… Juhu!
Ich ahnte Schreckliches.
Selbst der Bauarbeiter, der draußen auf dem Baugerüst vor dem Fenster beschäftigt war, ahnte dies! Er schaute mich kurz mitleidig an und setzte dann eiskalt seine Arbeit fort…

Zack! Die Tür ging auf und der Herr Chirug kam herein. Mit einem kurzen Händedruck und ohne große Umschweife kam er knallhart zum Thema:
„Sie wollen sich ihre Weisheitzähne ziehen lassen?“
Ich entgegenete: „Wollen ist übertrieben!“
„Welche denn?“
„Beide unten!“
„Ich würde Ihnen empfehlen nur einen raus zu nehmen, dann können sie auf der einen Seite noch essen….“
„….dann komme ich aber erstmal drei Jahre nicht wieder!“ unterbrach ich ihn.
„Nein, die Suppe ist gekauft! Nehmen sie beide raus!“
Der gute Herr willigte ein und ruck zuck hatte ich die große Spritze im Mund.
„Der geht aber ran“ habe ich mir noch gedacht, was sich später dann auch bestätigt hat.
Einmal in den Mund pieksen war ihm nicht genug und so kam er noch ein zweites mal, um dann den ganzen Unterkiefer taub zu bekommen.
(Er hats geschafft! Schmerzen hatte ich keine! :-)) Während die zweite Ladung zu wirken began, bereitete ich meinen MP3 Player vor.
Ich konnte ja nicht wissen, vllt. geht er bei der OP ja auch so schnell vor und ich hätte keine Zeit zum Einschalten des guten Gerätes.
So war es dann auch…

Der Herr Chirug kam ins Zimmer gestürmt, setzte sich neben mich, schaute ob alles Betäubt war und nahm dann irgend ein spitzes Werkzeug zur Hand…
Das war mein Zeichen die Augen fest zu schließen und die Mucke gaaaanz weit auf zu drehen. Ein Gitarrengewitter stürmte durch meine Ohren!
Ich merkte zunächst nicht viel, nur, dass er parallel arbeitete – was er rechts gemacht hat, tat er kurze Zeit später auch links.
Was das war, konnte ich aber nicht spüren.
Iwann merkte ich nur, wie er ein größeres Werkzeug, eine Zange, in meinen Mund beförderte.
Mir wurde ganz schnell klar: „Jetzt wird es Aktion geben tun*!“ (*Kalkofe) Er ruckelte und wackelte an mir rum und *knack* war der erste draußen.
„Hey, das gin ja schnell“ dachte ich mir und freute mich schon auf den Nächsten.
Wieder fing er an zu wackeln und zu ziehen… aber dieser Zahn wollte nicht so wie er.
Der Herr Chirug stellte sich hin, drückte meinen Kopf fest an seine Hüfte und zog wie ein Wilder.
Außer einer Menge Geknacke hat sich aber nichts getan.
Er meinte:“Wir müssen den Zahn durchtrennen“
und ich antwortete nur „arrhghhe ööhhh1“
Schon verschwand ein Bohrer/Freser in meinem Mund.
Mit 40.000 U/min widmete sich dieser dem letzten WHZ in meinem Mund (Welch historischer Augenblick, den ich in diesem Augenblick nicht zu bemerken wusste).
Dies tat er sogar sehr erfolgreich!
Die einzelnen Zahnhälften kamen mit nur wenig Krafteinsatz, fast freiwillig, heraus.
Ich war fertig! YEAH! Ich stoppte die Musik – Song 8 Epidemic war gerade zu Ende!
Er hat nur gute 21 Minuten für beide Zähne gebraucht! Nicht schlecht!

Der Chirug hielt mir noch kurz die blutigen Zahnhälften vor die Augen und meinte:
„Hier! Total krumme Wurzeln! Deswegen wollte der nicht raus…“
Mir war das in dem Augenblick sowas von egal – „Hauptsache er ist raus!“: dachte ich mir und freute mich auf das Zunähen.
Dies ging auch sehr schnell und war fast der angenehmste Teil der Behandlung 🙂

Ich drufte dann gleich aufstehen, bekam ein Rezept, ein Kühlpack und meine alten Zähne für die Zahnmaus und machte mich auf den Weg nach hause. Die eine Arzthelferin empfahl mir noch, von den Schmerztabletten (Ibuflam 800) gleich eine in der Apotheke zu nehmen. Diesem guten Vorschlag habe ich leider nicht folgegeleistet.
Ich hatte Angst die Apotheke und mich vollzusabbern, also verkniff ich es mir den netten Apotheker zu fragen.
In der Bahn bekam ich dann die ersten Schmerzen. Diese wurden während der Fahrt immer doller und ich konnte mich herrlich über jeden Quark aufregen: „Warum fährt der Typ nicht?““Muss der Id*** so lange die Tür aufhalten“ usw. …
Endlich an meiner Station angekommen ging ich schnellen Schrittes nach hause, um eine dieser kleinen Glücklichmacher einzuschmeißen.
Yeah! 20 Minuten und sie haben geholfen!
So konnte ich den ganzen Tag schmerzfrei sitzend auf meinem Sofa verbringen und die Prinzessin Peach aus der Gefangenschaft Bowsers befreien (Mario 64).

Was für ein erflogreicher Tag! Nicht nur für mich! Auch für die Prinzessin!

Die Tage darauf verliefen wenig kompliziert.
Ich habe mir immer schön meine Tabletten gegeben und lecker Kürbissuppe geschlürft(Musste nicht einmal Hungern!).
Nach dem Essen habe ich meinen Mund immer mit Kamillentee gespült und ab und zu gabs mal Arnica.
Die ersten beiden Tage hats geblutet, jetzt blutet es nur Nachts ein wenig.
Heute ist Sonntag und die OP ist 6 Tage her. Seit gestern esse ich wieder mit Genuß feste Nahrung und seit heute nehm ich keine Schmerztabletten mehr.
Schmerzen hatte ich nur Nachts auf der Seite wo der Zahn geteilt wurde.
Ich glaube, wenn der Doc den Zahn gleich geteilt hätte und nicht erst dran rumgebrochen hätte, wäre auch diese Seite sehr pflegeleicht gewesen.
Eine dicke Backe gabs auch nur auf dieser Seite. Die Schwellung ist heute aber fast komplett weg – es ist nur noch etwas gelb/grün an der Stelle. 🙂

Im Großen und Ganzen war es nicht so schlimm wie befürchtet. Ich hätte es schon viel früher machen sollen!
Bis Dienstag, da werden die Fäden gezogen, wird wohl nichts mehr passieren denke/hoffe ich.

Falls ihr wie ich mit schlechtem Gewissen zum ZA fahrt und Angst habt, dann solltet ihr die Sache einfach mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten.
Wie wäre diese Behandlung wohl ohne die modernen Methoden? Z.B. im Mittelalter oder in Entwicklungsländern.
Schon seit ihr froh eure WHZ im hier und jetzt opfern zu dürfen! 😉

Ich hoffe ich konnte euch mit meinem Bericht helfen und auch ein wenig unterhalten!
Viel Glück bei der Behandlung!
Das ist alles nur halb so Wild!

Viele Grüße
Sebi



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