Emre, 18: Erfreuliches Erlebnis

Emre, 18: Erfreuliches Erlebnis

Während einer gewöhnlichen Kontrolle beim Zahnarzt wurde mir vorgeschlagen mal ein Röntgenbild zu machen, um nachzusehen, ob die Weisheitszähne denn schon kommen. Ich hatte mal aufgeschnappt, dass nicht jeder Mensch Weisheitszähne hat, aber einigen auch nach den gewöhnlichen vier zusätzlich vier weitere nachwachsen können. Optimistisch, wie ich war, nahm ich zwar an, dass mir wahrscheinlich keine wachsen würden, da ich noch nichts spürte, aber das Bild zeigte vier, im Vergleich zu den anderen Zähnen recht kleine, Zähnchen. Die Ärztin zeigte darauf mit den Worten: „Da ist kein Platz mehr, die müssen raus!“ Einer schien mir reichlich Platz zu haben, aber es hieß „Gewöhnlich macht man alle vier auf einmal raus!“ Und da ich bereits Jahre lang beim Kieferorthopäden war, um die schiefen Zähne gerade biegen zu lassen, wolte ich kein Risiko eingehen wieder rückfällig zu werden und beschloss alle vier auf einmal ziehen zu lassen.

Meine Mutter hatte bereits vor Jahren gute Erfahrungen bei einem Kieferchirurgen aus einer Stadt in der Nähe gemacht. Das reichte mir, um den ersten Termin zu vereinbaren. Es stellte sich heraus, dass der Chirurg zwar in der selben Stadt seine Praxis hatte, wie der von meiner Mama, aber es war doch ein anderer. Dennoch wurden die Formulare unterschrieben, wobei ich mich nicht traute die Kreuzchen bei allen möglichen Folgen zu setzen. Wahrscheinlich hoffte ich wohl, dass das nichtgesetzte Kreuzchen mit sich zog, dass die entsprechenden „Kieferdeformationen“, „Beschädigungen der benachbarten Zähne“ und „Lähmungen im Kieferbereich“ auf keinen Fall eintreffen würden. Nachdem mit dem Kieferchirurgen alles auf den Formularen durchgegangen wurde und er sich nochmal das mitgebrachte Röntgenbild ansah und mir zeigte, dass ein dicker Nerv neben einen Weisheitszahn beschädigt werden könnte, stand der Termin für die OP fest.

Der Tag nahte. Ich entschied mich telefonisch für die Sedierung. Dann kam die Fahrt mit meinen Eltern zur Praxis. Nach zehnminütiger Wartezeit kam ich endlich dran.
Plötzlich ging alles sehr schnell. Ich saß mich hin, an meinen Daumen wurde ein Pulsmessgerät gebunden, der Blutdruck wurde gemessen und der Arm freigemacht, um mir die Mittel injezieren zu können. „Sind sie aufegregt?“ war die Frage vom Arzt „ihr Kreislauf zeigt nämlich an, dass sie es nicht sind.“ Tatsächlich fing die Aufregung bei mir auf dem Stuhl an, obowhl ich bis zu diesem Zeitpunkt recht ruhig war.
Ich wollte nicht hinsehen und fragte: „Ist in meinem Arm noch etwas drin?“
„Teils teils. Die Nadel ist draußen. Kunststoff ist drinnen.
Jetzt spülen wir Kochsalz ein, um zu sehen ob der Schlauch es durchlässt. Jetzt kommt [an das kann ich mich nicht mehr erinnern]. Und jetzt spülen wir noch einmal mit Kochsalz nach.“
Dann kam er – der Rausch. Bei der Sedierung wird man nämlich unter Drogen gesetzt. Das Bild vor mir verschwamm und ich erinnere mich noch, wie ich anfing zu lachen. Kein flüchtiges grinsen, sondern wirklich lautes Gelächter. „Ah es wirkt schon :D“, kam von seitens des Arztes. Die Sorgen wegen des Nerves neben dem Weisheitszahn verflogen. Dann war ich weg! Während der OP wachte ich auf, aber spürte natürlich nichts. Ich bekam mit wie ein Zahn am Stück rausoperiert und der andere gesplittert wurde. Der Arzt flickte meinen Kiefer wieder zsuammen und es war getan!

Ich (immer noch fröhlich) stand wackelig auf, wurde zu einem Massagestuhl geleitet und durfte meine Backen kühlen. Von Schmerzen keine Spur. Meine Frage, ob alles gut lief, bejahte die Helferin. Die Sedierung wirkte noch so sehr, dass ich, wenn ich den Arzt wieder gesehen hätte ihn umarmt und ihm gesagt hätte, dass er seinen Job gut gemacht hat (obwohl ich die meiste Zeit über geschlafen hatte und kaum was von der OP mitbekam). Zu seinem Glück sah ich ihn an dem Tag nicht mehr. Nach einer fröhlichen Viertelstunde voll Massage und aufgrund meines Lachens besorgter Eltern, kam die Erlaubnis, dass wir nun gehen könnten. Wir vereinbarten den Termin für das Ziehen der Fäden und bekamen noch einen Zettel für das richtige Verhalten nach der OP. Vor lauter Glücksgefühlen vom noch restlichen Rausch, rannte ich aus dem Gebäude Richtung Auto. Meine besorgte Mutter lief mir hinterher und rief mich zurück. Mit blutigem Mund fuhren  wir schließlich zurück und ich konnte schon weiche Kost, wie zum Beispiel Reis essen. Die Drogen ließen nach und die erste Schmerztablette wurde eingenommen. Ein netter Anruf kam aus der Praxis mit der Frage, wie es mir den ginge. Der Tag verging. Schwellungen kaum sichtbar. Am zweiten Tag nahm die Schwellung zu. Am dritten Tag (heute) hat sie ihren Höhepunkt erreicht und ebbt wieder langsam ab.

Fazit:
Die Sedierung ist definitiv weiterzuempfehlen! Das schlimmste ist der Hunger, da man kaum essen kann. Ein Tipp von mir: Trotz Hunger nichts ekliges, wie beispielsweise Milchreis mit Apfel essen, da der Geschmack noch im Mund bleibt. Am besten Milchreis ganz meiden. Nach der dritten Packung wird es nämlich sehr widerlich.
Die OP verlief recht gut, aber die Tage danach sind lästig, deshalb am besten alle vier auf einmal ziehen lassen und somit die Tage danach nicht noch einmal erleben.



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