Yannick, 17: Soviel zu “Jaja, so schlimm wird es nicht”.

Yannick, 17: Soviel zu "Jaja, so schlimm wird es nicht".

Diesen Montag, am 29. Oktober 2012 hatte ich um 9 Uhr einen Termin beim Chirug zum entfernen der unteren beiden Weisheitszähne. In einem Vorgespräch wurde ich schon über mögliche Risiken informiert und in einer Infobroschüre nochmals darüber aufgeklärt, was ich vor der OP tun sollte, was ich nach der OP beachten sollte usw. Dazu zählen unter anderem am Tag der OP morgens noch mal etwas essen und trinken um den Blutdruck stabil zu halten, keine blutverdünnenden Mittel zu verwenden etc.

Als ich also dann Montags mit meiner Mutter in die Praxis kam, hieß es an der Rezeption zu mir “Sie sind hier wegen allen 4 Weisheitszähnen, ja?”. Der erste Schock. Jedoch hat sich die Kollegin vorher nur verschrieben. Im Wartezimmer musste ich dann auch länger als 9 Uhr warten, was mich nicht beruhigte. Meine Nervosität wurde durch andere Patienten, die den Eingriff bereits hinter sich hatten, verstärkt, da die zurück ins Wartezimmer kamen und wie Leichen im Stuhl hingen.

Endlich ging es dann doch ins Zimmer, die Spritzen wurden mit Eisspray gemacht, sollte das ganze wohl angenehmer machen, war es aber nicht. Hat gepickst und gedrückt. Nach 5 Minuten wurde noch einmal gespritzt und schon hier merkte ich, dass mir der Mund beim öffnen schon schmerzt. Egal, Kopfhörer in die Ohren, Tuch übers Gesicht, der Mund ging irgendwie auf, der Eingriff begann!

Begonnen wurde auf der linken Seite. Vom Schnitt hab ich gar nix gespürt, aber wie ich aus dem Vorgespräch noch weiß, hab ich von Natur aus so große Zähne, dass mir die beide in 4 Teile zersägt werden mussten. Das war das widerlichste Gefühl, das ich jemals gespürt habe. Der Druck der Säge zusammen mit dem widerlichen Geräusch und das Gefühl des Drucks hat mir den Schweiß auf die Stirn getrieben und meinen ganzen Körper verkrampfen lassen.

Zudem gab es ausgerechnet beim ersten Zahn Komplikationen, denn er wollte nicht raus. Es wurde geruckelt, gemacht und getan. Der Zahn blieb da, wo er war. Erst als der Zahn nochmals kleiner gesägt wurde, ging er raus. Das rausheben des Zahns hat sich angefühlt als würde man ein Bonbon zerbeißen. Und sich auch so in etwa angehört. Sehr, sehr unangenehm.

Als der erste Zahn draußen war, wurde ich gefragt, ob wir den zweiten Zahn auch noch machen sollen. Ich hab nur meinen Daumen hochgehoben, reden ging schlecht. Also ging es auf der rechten Seite weiter. Jedoch hat der Arzt auf der linken Seite so lange gebraucht, dass die Betäubung auf der rechten Seite schon etwas nachgelassen hat. Selbstverständlich hat er sofort nachgespritzt. Der Zahn ging überraschend schnell raus. Wurde auch zugenäht und fertig. Danach sollte ich noch ein paar Minuten liegen bleiben und entspannen. Der Eingriff war so eklig, ich war danach schweißgebadet.

Als ich mich in der Verfassung sah, von alleine aufzustehen, wurde ich schon von meiner Mutter im Wartezimmer erwartet. Ein Blick in den Spiegel genügte und ich wäre am liebsten im Boden versunken. Backen wie ein Hamster, Haare zerstrubbelt wie sonst was. Und so musste ich noch mit der Bahn heimfahren. Auf der Straße wurde ich natürlich angeschaut wie ein Alien. Auf der Heimfahrt spürte ich schon jedes ruckeln der Bahn, jeden Schritt den ich ging. Kaum Daheim angekommen waren die Schmerzen unerträglich. Ich wäre am liebsten gestorben. Schmerzmittel in Pulverform konnte ich jedoch noch nicht nehmen, da ich noch die Kompressen im Mund lassen sollte.

Als ich die Medikamente dann doch nehmen konnte, waren die Schmerzen innerhalb von 10 Minuten weg. Gegen 14 Uhr konnte ich dann auch ein Gläschen Apfelmus essen. Das war jedoch auch wirklich sehr schwer, da ich den Mund kaum aufbekam. Abends wirkten die Schmerzmittel von Mittags noch, also ging schlafen nur unter dem Problem, dass ich nicht auf der Seite, sondern auf dem Rücken schlafen musste, und das auch in einer aufrechten Haltung. Außerdem waren schon am ersten Abend meine Wangen trotz kühlen heftigst angeschwollen.

Die anderen Tage waren wie Tag 1. Keine Schmerzen, dicke Wangen trotz kühlen, nur Suppe und Brei und keine körperliche Anstrengung. Was mir jedoch am meisten zusetzte, war eben die Sache mit der Nahrung. Ich hätte am liebsten eine Pizza oder einen leckeren Burger oder sonst was gegessen, Hauptsache keine Suppe oder Brei mehr. Naja, der nette Nebeneffekt hierbei: Man nimmt ab 😉

Heute ist Tag 5, Wangen trotz kühlem immer noch dick, reden kann ich mittlerweile wieder, wenn auch nur nuschelnd, essen geht immer noch kaum, aber ich bekomm schon den Esslöffel in den Mund. Also ein Fortschritt.

Sollte es Leute geben die den Bericht aus Angst oder Interesse lesen: Macht euch nicht verrückt. So wie bei mir mit sägen und bohren, so muss es nicht bei jedem laufen. Ja, es gibt angenehmere Sachen wie solch ein Eingriff, es ist im Nachhinein auch nicht “The Time of your life” aber es geht rum!

An dieser Stelle: Viel Glück an alle, die es noch vor sich haben, Gute Besserung an alle, die gerade auch in der Heilungsphase stecken und ich beneide im Moment diejenigen, die normal essen können. 😉



1 Kommentar zu "Yannick, 17: Soviel zu “Jaja, so schlimm wird es nicht”."

  1. Jeffrey

    Ich hatte schon nach 1 Paar stunden keine Schmerzen mehr, schon krass wie Verschieden das ist. Aber dafür habe ich immer noch Stress gefühle , gefühl schlecht luft zu bekommen und irgend wie genervt und nervös immer noch.

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