Christian, 31: Besser alle vier auf einmal | Weisheitszahn-OP.de

Christian, 31: Besser alle vier auf einmal

Christian, 31: Besser alle vier auf einmal

Wenn ich so darüber nachdenke, wie das damals war mit meiner Weisheitszahn-OP, dann muss ich sagen: das schlimmste daran waren die Geschichten, die mir vorher erzählt wurden von Freunden und Verwandten. Wenn man denen nämlich glauben möchte – und ich hab ihnen natürlich geglaubt – wurde ihnen bei der OP der Kopf abgerissen oder sie konnten vor Schmerzen wochenlang nicht arbeiten oder noch Schlimmeres. Also der reinste Horror.

Entsprechend schlecht hab ich mich vor meiner OP dann auch gefühlt. Obwohl das jetzt schon eine Weile her ist, kann ich mich noch genau an die Minuten im Wartezimmer erinnern kurz bevor es losging. Man, mir ging echt der Allerwerteste auf Grundeis.
Deswegen der 1. Tipp: nicht auf die Horrorszenarien Anderer hören. Das wird halb so schlimm. Oder vielleicht auch schlimmer. Aber auch dann will man es vorher doch gar nicht wissen, oder?

Aber mal der Reihe nach:
Meine schlauen Zähne mussten raus, weil sie einfach aus dem Kiefer rausgewachsen waren. Und nachdem sich das Zahnfleisch auf der rechten Seite schon mehrmals entzündet hatte, ließ mir mein Zahnarzt auch keine Wahl mehr und überwies mich zu einem Kieferchirurgen. Er selbst wollte nicht operieren, weil laut Röntgenbild ein Nerv in der Nähe lag. Das hat natürlich nicht zu meiner Entschlossenheit beigetragen, war aber letztlich kein Problem bei der OP.

Bis dahin hatte ich das Unumgängliche aber auch schon soweit herausgezögert, dass ich selbst ganz froh war, endlich von den nervigen Weisheitszähnen befreit zu werden. Vor allem in den letzten Monaten vor der OP hatte ich ziemlich oft Kopf- oder Kieferschmerzen. Ich glaube, in der Gesamtbilanz wäre mir Einiges erspart geblieben, wenn ich meine Zähne früher hätte rausnehmen lassen.
Also der 2. Tipp: Nicht zögern, wenn es sich eh nicht vermeiden lässt.

Ich war anschließend zu einer Vorbesprechung bei dem Chirurgen in Hamburg-Altona und habe dort einen Termin vereinbart. Das fand ich ganz gut, weil bei diesem Gespräch mit einigen der Mythen, die ich gehört hatte, aufgeräumt werden konnte.

Bei der OP selbst lief dann alles ganz glatt. Wie gesagt: Das Schlimmste waren die Minuten davor. Ich hatte wirklich mit Allem gerechnet. Doch schon nach 15 Minuten war es überstanden. Der Chirurg war offenbar genauso überrascht wie ich, wie schnell wir fertig waren. Er hatte mir halt angekündigt, dass er versuchen würde, die Zähne einfach zu ziehen. Das ging, weil sie ja schon aus dem Kiefer rausgewachsen waren.
Allerdings meinte er auch, dass das unter Umständen nicht funktioniert und er dann den Kiefer aufmachen müsste. Naja, offenbar hatte ich Glück. Zugegeben: Es fühlt sich schon unglaublich brachial an, wenn da ein ausgewachsener Mensch mit aller Kraft versucht, Dir etwas aus dem Kiefer zu brechen. Nur wie gesagt: Es hat nicht lange gedauert und war deswegen auch zu ertragen.

Viel unangenehmer war anschließend die Heimfahrt. Ich erinnere mich noch, dass wir in einen Stau geraten sind. Und nach einer Weile habe ich dann ziemliche Schmerzen bekommen. Da hätte ich mich gerne hingelegt und etwas geschlafen. Aber stattdessen saß ich blutverschmiert im Auto und konnte mich selbst bemitleiden.
Tipp Nr. 3 also: Einen Chirurgen in der Nähe suchen und schnell nach Hause fahren.

Jetzt würde vermutlich jeder, der es noch vor sich hat, gerne lesen, dass die Sache damit fast überstanden war. Aber das kann ich leider nicht behaupten. Schließlich kam ja noch die Genesungszeit – mindestens so sagenumwoben, wie die OP selbst.
Ich muss vorweschicken, dass ich damals den Fehler gemacht habe, nur die Zähne auf einer Kieferseite ziehen zu lassen, obwohl ich bereits wusste, dass die anderen auch irgendwann fällig sein werden. Meine Idee war damals: OP nur auf einer Seite – dann kann ich mit der anderen ja noch essen.

Damit hatte ich mich jedoch gründlich verschätzt. Ich konnte nämlich meinen Mund schon am nächsten Tag nicht mehr weit genug öffnen, um da irgendwas Essbares reinzustecken. An Kauen war also nicht zu denken und so lernte ich Tütensuppen sehr zu schätzen.
Es tat schon sauweh. Gut war allerdings, dass ich keine dauerhaften Schmerzen hatte. Wenn ich also nichts aß oder sprechen wollte, ließ es sich gut aushalten. Und von außen war kaum etwas zu sehen.
Trotzdem: Hätte ich damals mal gleich alle Zähne ziehen lassen. Dann hätte ich keine weitere OP in den nächsten Jahren vor mir und ….. aber hinterher ist man ja immer schlauer.

Aber um die Geschichte abzuschließen: Ich weiss nicht mehr genau, wie lange meine Genesungszeit wirklich dauerte. Allergings hatte sich nach einigen Tagen mein Unterkiefer entzündet, was sehr unangenehm war. Zunächst dachte ich, es seien normale Begleiterscheinungen der OP. Als schließlich die Fäden gezogen wurden, stellte sich jedoch heraus, dass ein Ende eines Operationsfadens in die Wunde geraten und dort festgewachsen war und sich das Zahnfleisch drumherum entzündet hatte.

Ich weiss noch ganz genau, was für ein erhebender Moment das war, als dieser xxx-Faden endlich gezogen wurde und die Schmerzen schlagartig weg waren.

Fazit: Eine Weisheitszahn-OP ist eine unangenehme Sache und daran führt wohl auch kein Weg vorbei. Und auch wenn OP und Heilung wohl bei jedem anders verlaufen. In meinem Fall ließ sich das Ganze durchaus überstehen, ohne psychische Folgeschäden davon zu tragen und ich kann endlich mitreden und meine eigenen Horrorszenarien verbreiten.



Hinterlasse einen Kommentar:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.