Lian, 23: Untere Weisheitszähne mit örtlicher Betäubung

Lian, 23: Untere Weisheitszähne mit örtlicher Betäubung

Vorgeschichte:

Dass meine beiden unteren Weisheitszähne raus müssen, weil sie schief im Kiefer liegen und auf die benachbarten Backenzähne drücken, hat mir mein damaliger Kieferorthopäde schon vor 7 Jahren prophezeit. Das habe ich, genauso wie die erste Überweisung zum Kieferchirurgen mit 18 nach Abschluss der kieferorthopädischen Behandlung, erstmal geflissentlich ignoriert, weil ich eine ziemlich ausgeprägte Ärztephobie habe und nicht einsah, warum ich mir den Eingriff antun soll, wenn von den Zähnen noch nichts zu sehen ist und sie keinerlei Probleme bereiten.

Im Laufe des letzten Jahres hatte ich aber immer öfter Probleme, da sich das Zahnfleisch, das die beiden nur teilweise durchgebrochenen Weisheitszähne umgab, häufig entzündete, die Zähne schwierig zu reinigen waren und ein wiederkehrendes, schmerzhaftes Ziehen im Unterkiefer und in den Ohren deutlich machte, dass die Dinger jetzt endlich mal raus müssen.

Habe also schweren Herzens einen Termin bei meiner Zahnärztin vereinbart, die mir dann auch eine Überweisung an den Kieferchirurgen ausstellte, weil auf der linken Seite ein Unterkiefernerv sehr nah an der Wurzel des Weisheitszahn verlief und sie die Enttfernung zur Sicherheit einem Profi überlassen wollte.

Vier Wochen später hatte ich den Beratungstermin beim Kieferchirurgen, der mich ebenfalls nochmal darauf hingewiesen hat, dass der Eingriff aufgrund der Position des linken Zahn mit gewissen Risiken verbunden sei (Gefühlverlust in der Unterlippe und am Kinn), was jetzt irgendwie nicht so wirklich beruhigend war. Aber da mir langfristig kaum eine andere Wahl blieb, habe ich trotzdem einen Termin für die Entfernung vereinbart. Eine Vollnarkose kam für mich nicht in Frage, da mir der völlige Kontrollverlust durch die Narkose mehr Angst gemacht hätte als alles andere. Also habe ich mich für eine örtliche Betäubung entschieden, was sich im Nachhinein für mich als die richtige Wahl herausgestellt hat.

Der OP-Tag

Die OP selbst (Mittwoch, 12 Uhr Mittags) war harmlos, im Vergleich waren nahezu alle Termine, die ich bisher beim Zahnarzt und beim Kieferorthopäden hatte, deutlich unangenehmer. Von den Betäubungsspritzen habe ich gar nichts gespürt, da der Chirurg das Zahnfleisch zuvor mit einem betäubenden Gel bestrichen hatte. 10 Minuten später testete die Arzthelferin die Wirkung der lokalen Betäubung indem sie mit einem spitzen Instrument an meine Unterlippe tippte. Da ich auf der rechte Seite der Unterlippe gar nichts spürte und auf der linken Seite nur einen leichten Druck, aber nichts Spitzes bemerkte, konnte es losgehen. Die Entfernung war bis auf ein gelegentliches, leichtes Druckgefühl völlig schmerzfrei und ziemlich schnell vorbei.

Das Ziehen auf der linken, nervnahen Seite dauerte dabei deutlich länger als auf der rechten und war wohl insgesamt etwas aufwendiger, wofür auch spricht, dass die Wunde auf der linken Seite später deutlich größer aussah als die auf der rechten. Die beiden Zähne blieben ganz, obwohl der linke etwas lädiert aussah, sodass ich sie in einer Plastiktüte mit nach Hause nehmen konnte. Meine Angst, zu viel Blut und Wasser, das zum Säubern der Wunde in den Mund gespritzt wird, zu schlecken und dadurch würgen zu müssen, war zum Glück unbegründet, weil das meiste davon während des Eingriffs von der Arzthelferin mit einem kleinen Schlauch in der Mundhöhle aufgesaugt wurde. Insgesamt hat die ganze Prozedur mit Entfernen und Zunähen etwa 20 Minuten gedauert.

Danach wurde ich mit der Anweisung, die über die Wunde gelegten Gazestreifen nach 1-2 Stunden zu entfernen und einem Rezept für Ibuprofen 600, die ich alle 6-8 Stunden einnehmen sollte, nach Hause geschickt.

Während bis dahin alles problemlos über die Bühne gegangen war, ging der Ärger nun erst los. Obwohl ich sofort zu Hause die erste Schmerztablette einnehmen sollte, war das nicht möglich, weil die lokale Betäubung noch so stark war, dass ich gar kein Gefühl im unteren Kieferbereich hatte und den Mund kaum mehr als einen spaltbreit öffnen konnte, sodass ich nur ein paar in Wasser gelöste Tablettenbrösel herunterbekam, war, wie sich später herausstellte, deutlich zu wenig war. Der Chirurg hatte es mit der Betäubung wohl etwas zu gut gemeint, was zwar für die Schmerzfreiheit bei der OP super war, aber nun dazu führte, dass erst 6 Stunden nach dem Eingriff das Gefühl im Unterkiefer zurückkam.

Zunächst war ich wahnsinnig erleichtert, weil ich schon befürchtet hatte, dass der Unterkiefernerv doch punktiert oder durchtrennt worden sein könnte. Dann kamen die Schmerzen, die so stark waren, dass sie mit der hastig eingeworfenen 600er Tablette gerade so erträglich waren. Die Schwellung war zum Glück nicht so extrem ausgeprägt, wohl auch deshalb, weil ich den ganzen Nachmittag mit einem nassen, kalten Geschirrtuch im Gesicht auf dem Sofa gelegen habe. Abends konnte ich dann noch ein Babygläschen essen, bevor ich vor dem Schlafen noch eine Schmerztablette genommen habe.

Die folgende Woche im Überblick:

Schlafen:
1. Nacht und 2. Nacht: ca. drei Stunden, danach nach Einnahme einer Schmerztablette nochmal 3 Stunden Ab der dritten Nacht konnte ich nach Einnahme einer Ibu 600 wieder durchschlafen

Schmerzen:
In den ersten drei Tagen ziemlich stark, sodass die Ibu 600 spätestens nach 5 Stunden kaum noch gewirkt hat und die Schmerzen nie ganz weg waren. Ab dem vierten Tag kam ich bereits 8-10 Stunden mit einer Tablette aus und war in den ersten Stunden nach jeder Tablette quasi schmerzfrei. Interessanterweise waren die Schmerzen auf der linke Seite durch die ungünstige Position des Nervs sehr stark und strahlten bis ins Ohr und die Schläfe aus, während die Schmerzen auf der rechten Seite ab dem zweiten Tag deutlich geringer ausfielen und nach drei Tagen kaum noch vorhanden waren. Nach 6 Tagen konnte ich das Schmerzmittel absetzen.

Nachblutungen:
Am Tag des Eingriffs und in der Nacht danach, zum Glück nur leichtes Nachbluten, das von alleine wieder verschwand.

Schwellung:
War am dritten Tag am Schlimmsten, insgesamt aber weniger dramatisch als angenommen. Die Mundöffnung wurde zwar mit und mit wieder größer, war aber nach einer Woche immer noch leicht eingeschränkt.

Kühlen: Nur an den ersten beiden Tagen, danach habe ich die Kälte im Gesicht eher als unangenehm empfunden und das Kühlen gelassen.

Essen:
Babybrei, Babygläschen (Fruchtsorten), klare Brühe und Tomatensuppe (abgekühlt), Tomatensaft, Haferschleim, Kartoffelpüree und Apfelmus, weiches Eigelb, in Suppe eingeweichtes Weißbrot.
Im Nachhinein betrachtet, war ich hier wohl etwas übervorsichtig und wäre besser bereits früher so schnell wie möglich wieder auf nahrhaftere Lebensmittel umsteigen, weil ich nach einer Woche Zwangsdiät ziemliche Kreislaufprobleme bekam. Mit dem ersten Teller Nudeln war mein Magen so überfordert, dass alles wieder raus kaum und durchs Erbrechen die linke Wunde wieder leicht nachblutete, wodurch die Fäden erst einen Tag später gezogen werden konnten.

Trinken: Kamillentee, Salbeitee, Wasser

Mundhygiene: Zähneputzen mit Wattestäbchen und Zahnpasta, Spülen (erst ab dem dritten Tag, um die Blutgerinnung nicht zu stören) mit Kamillentee, Salbeitee und Chlorhexamed Mundspülung aus der Apotheke

Fädenziehen (Donnerstag, 8 Tage nach dem Eingriff): dauerte nicht länger als eine Minute, war zum Glück nur leicht schmerzhaft

Fazit: Der Eingriff an sich war harmlos, die Woche danach aufgrund der in den ersten Tagen starken Schmerzen und der doch erheblichen Einschränkungen beim Essen ziemlich unangenehm. Trotzdem ist es ein gutes Gefühl, wenn dann hoffentlich alles überstanden ist und man weiß, dass die Weisheitszähne keine Probleme mehr machen können. Sie sind in der Plastiktüte dann doch viel besser aufgehoben als im Mund.



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